Nur einen Klick entfernt von Kira Gembri [REZENSION]

Juli 15, 2017




Der junge Programmierer Tom glaubt, am Tiefpunkt seines Lebens angekommen zu sein, als er an Silvester in einem Erotik-Chatroom landet. Dabei braucht er gerade einfach nur jemanden zum Reden.
Auch Luna könnte sich etwas Besseres vorstellen, als die Neujahrsnacht damit zu verbringen, sich vor ihrer Webcam und einem völlig Fremden auszuziehen. Niemals hätte sie geahnt, dass ein missglückter Flirt zwischen ihr und Tom zu einem monatelangen E-Mail-Wechsel führen könnte! Die zwei schreiben einander bald jeden Tag - mal lustig, mal nachdenklich und mit immer mehr Herzklopfen zwischen den Zeilen. Doch Tom hat ein Geheimnis, das ein Happy End für ihn und Luna so gut wie unmöglich macht. Oder ist die große Liebe wirklich nur einen Klick entfernt ...?


Ich war „Nur einen Klick entfernt“ von Kira Gembris neustem Werk. Wie konnte ich da also nicht auf Amazon zuschlagen? Nachdem ich mit dem vorherigen Buch der Autorin nicht so warm geworden bin, war ich für dieses dann doch Feuer und Flamme und wagte den Klick. Gerade für mich als Blogger, der viel im Netz unterwegs ist und auch so gesehen viel mit Bloggern, Autoren und Lesern chattet, war diese Idee hier doch mehr als ansprechend. Es hieß ja, es sei anders und in reiner E-Mail/Chatform verfasst und sowas gab es von der Autorin ja noch nicht. Also: neues Gebiet, und ich mittendrin. Ist nur die Frage: Bereute ich am Ende meinen Klick dann doch?

Kiras Bücher sind ja für mich bisher IMMER anders gewesen. Anders von der Idee her, anders vom Schreibstil, anders vom Inhalt und ganz besonders anders von der Vorgehensweise der Themen darin. Denn die Bücher, die ich bis jetzt von der Autorin lesen durfte, griffen immer sehr ernste Themen auf. Beim Lesen dieses Klappentextes hier dachte ich mir auch, dass es recht unterhaltsam und vielleicht auch romantisch sein könnte.
Falsch gedacht. Luna und Tom könnten mit ihrer „ersten, virtuellen“ Begegnung schon mal nicht ins typische Klischee „Liebe auf den ersten (K)Blick“ fallen und ich habe mich unweigerlich gefragt, was Kira da für mich als Leser vorbereitet hatte. Erwartete mich ein heißer Striptease oder wie endet Toms Reise im Erotik-Chatroom?

Tom ist kein typischer Hauptprotagonist – genauso wenig wie Luna. Beide sind auf ihre Art und Weise kaputt, nur das man es ihnen gar nicht so ansieht. Die menschliche „Maske“ ist hier perfekt aufgetragen worden, nur will Tom Lunas Maske unbedingt runterreißen – ohne Rücksicht darauf zu nehmen, ob das für Luna überhaupt gut ist. Er hat einen seltsamen Hang, Lunas tiefste Geheimnisse herauszukitzeln um sie irgendwie aus ihrem „zweiten, virtuellen Leben“ in das Richtige zu werfen. Ein Wildfremder, der die eigentlich recht selbstbewusste Luna völlig aus der Fassung bringt. Denn Luna gefällt ihr Leben. Ihr gefällt ihr Job. Sie verdient eine Menge Geld damit, sich vor der Kamera auszuziehen – wieso sollte sie sich da also verändern? Aber Tom kann sowas einfach nicht nachvollziehen und scheint sich zur neuen Lebensaufgabe zu machen, Luna wieder in die für ihn richtige Bahn zu werfen. Doch das es Dinge gibt, die unvorbereitet daherkommen, wie Gefühle und das echte Leben, das hat Tom dabei nicht so wirklich bedacht…

Stellen wir uns jetzt mal alle die Frage der Fragen:
Hat es in dieser E-Mail-/Chatform überhaupt funktioniert, eine echte Story zu erzählen? Echte Gefühle, echten Humor und eine spannende Unterhaltung zu liefern? Bei mir schon. Ich musste SO OFT schmunzeln, fand den Austausch der beiden einfach so scheiß authentisch, dass ich beinahe dachte, ich lese hier wirklich die E-Mails von zwei ECHTEN Menschen. WIE MACHST DU DAS BLOß KIRA?!?!?!?!?!? :O Ich hab mitgefiebert, bekam zwar schnell raus, was hier das große Geheimnis ist, war etwas über die Naivität von X verwundert, aber zeitgleich weiß ich auch, wie naiv man gegenüber Menschen aus dem Internet sein kann…das man im Internet eben JEDER sein kann, der man sein will. *hüstel* Aber das Kira hier diesen zwei (Luna + Tom) dennoch so viel Echtheit verpasst hat (und hey – das NUR anhand von E-Mail und Chats) was manche nicht mal in einem echten Roman schaffen!!!

OHA!!!

Ich bin mir aber mehr als sicher, dass dieses Buch mit seiner Andersartigkeit nicht bei jedem gut ankommen wird. Was für ein Glück, dass ich auf anders stehe und ich es daher großartig finde. OK, Phänomenal!! Klar kann man dies und das besser machen, aber ich hab das Buch verschlungen OBWOHL ich in einer Leseblockade war. Wenn das also nichts heißen soll, na, dann weiß ich auch net mehr weiter. ;)

Mich hat sogar was gestört, was aber so an sich gar nicht hätte anders gelöst werden können…ich spreche da vom Ende. Da gibt es einen Cut, dann ist auf einmal etwas Zeit vergangen und ja…ich hab nicht wirklich einen Einblick mehr davon bekommen, was nun war und aktuell ist. Nur so ganz klein und kurz. *schnüf* Hat mich etwas unbefriedigend zurückgelassen, aber okay. Wie soll man ein Ende auch ein gutes Ende in E-Mailform schreiben? Es musste ja irgendwie so sein…sehe ich ja alles ein.


Ich liebe Kira für ihre ausgefallenen, anderen Ideen und dieser Roman strotzt nur so davon. Von den Charakteren bis hin zur Umsetzung: Nichts ist gewöhnlich und es steckt überall etwas dahinter! Kira GEHÖRT zur Indie-Szene und FORMT diese auch mit ihren Ideen und der Art wie sie einfach schreibt. Da kann mir keiner etwas Anderes erzählen!

„Nur einen Klick entfernt“ ist die perfekte Lektüre für zwischendurch und hat genau die richtige Menge an „Tiefgründigkeit“ und „Selbstoffenbarung“ um nicht zu sehr in die „Ernsthaftigkeit“ des Themas zu Rutschen. Na los, ihr seid nur noch einen Klick von einem sehr guten Buch für zwischendurch entfernt – KLICKT!




Ava Reed

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