Wenn ihr uns findet von Emily Murdoch |REZENSION|

Mai 22, 2017





Es gibt Geheimnisse, die zu groß sind für das Herz eines Mädchens Klamotten, Partys, Jungs und Schule: Diese Welt ist Carey und ihrer kleinen Schwester Jenessa völlig fremd. Die Geräusche des Waldes, das beengte und doch so vertraute Zusammenleben im Wohnwagen und die oft tagelange Abwesenheit ihrer Mom – das ist der Alltag der Mädchen, die in einem Trailer tief versteckt inmitten eines Naturschutzgebietes leben. 
Als Careys und Jenessas Vater die Mädchen zu sich und seiner neuen Familie holt, finden die Tage im Wald ein jähes Ende. Zu jäh für die fünfzehnjährige Carey, die sich daran gewöhnt hat, sich und ihre Schwester durchzubringen und zu beschützen, koste es, was es wolle. Dass der Preis dafür mitunter sehr hoch war, begreift sie erst jetzt durch die liebevolle Anteilnahme ihres Vaters. Weil sie das Geheimnis, das auf ihrem Herzen lastet, nicht für immer verdrängen kann … 




 
Wenn mir ein Buch die Worte raubt,
mich zu Tränen berührt und mir die Luft zum Atmen nimmt. 
Mich nicht mehr klar denken lässt, wenn ich an das gelesene zurückblick.
 
Das Buch
 es mich nicht zuschlagen lässt, wenn ich auf der letzten Seite angekommen bin. 
Ist es dann „DAS BUCH auf den ersten Blick“? 
 
Ein Buch, 
das anders ist, als dass bisher gelesene?  
Wenn ich an diese Geschichte hier zurückdenke, fällt es mir immer noch schwer, es 
direkt genug wiederzugeben. Dafür sitzt der Schmerz einfach noch zu tief in mir drinnen. Ein Schmerz, den diese zwei kleinen Mädchen im Buch erlitten haben. Die all die Jahre praktisch auf sich alleingestellt in einem Wald hausen mussten, von der eigenen Mutter oft Wochenlang alleine gelassen.  
Ist es dann nicht verständlich, dass es 
einem Leser nahe geht? Ich kann nur für mich sprechen, es in meine Worte fassen, wenn ich behaupte: 
 
Das Buch hat mich gefühlsmäßig bitter erwischt.
 
 
Der Titel „Wenn ihr uns findet“, hat eine solch tiefere Bedeutung, die schon von Beginn an zum nachdenken anregte und es auch stetig während dem Lesen tat. Und diese Erkenntnis hat mich wortwörtlich
 unerwartet überrumpelt. So unerwartet, dass ich nach dem Lesen erst mal den Tränen nahe war. Aber alles der Reihe nach.  
Der Plot ist von Anfang an offengelegt worden: 

Raus aus dem Käfig des Waldes und rein in die wahre Welt, der knallharten Realität, mit all ihren verletzenden Wahrheiten und fremden Eindrücken. Simpel und 
doch eine ganz schwere Hürde für alle Beteiligten in dieser Geschichte. Der Rote Faden zieht sich bis zum Schluss in eine klare Richtung und beinhaltet die Entwicklung auf das „neue“ Leben aller Charaktere. Als ich mit dem Lesen anfing, wurde ich gleich mit der 15-jährigen Carey, ihrer Geschichte und vor allem ihrem Denken und ganz eigenem Sprechen konfrontiert. Wirkt Carey, die Hauptprotagonistin, kalt, in sich gekehrt und skeptisch, was in Anbetracht ihrer Lebensumstände und Vergangenheit verständlich ist, so verändert und entwickelt sie sich auch nach und nach mit mir als Leser. Denn die Autorin hat das alles auf Careys Lebensumstände angepasst. Soll zum Beispiel heißen: Der Schreibstil passt sich Carey an, und dieser ist nun mal hier und da etwas weltfremd für mich und auch die anderen Menschen in ihrer Umgebung gewesen. Sogar die Art und Weise, wie sie spricht, wurde von der Autorin auch genau so geschrieben. Es las sich oftmals wie ein „Chatgespräch“ und auch wenn Carey versuchte, sich in ihrem neuen Leben später anzupassen, konnte sie nie ganz das Mädchen aus dem Wald aus sich reißen.  




Carey, Jenessa und der Wald. Mehr gab es nicht in ihrem Leben. Mehr brauchte sie nicht, um glücklich zu sein. Carey ist am Anfang nur das Mädchen, dass ihre zirka 6 Jährige kleine Schwester Jenessa von selbst großzog, während ihre Mutter ihre Liebe mehr in ihre Drogensucht steckte als in ihre zwei kleinen Mädchen. Es ist auf den ersten Blick unvorstellbar, wie man so abgeschieden und heruntergekommen in einem Wald leben kann. Wie Kinder dort aufwachsen können, so ganz auf sich alleine gestellt. Ich war gespannt, wie die Autorin diese Umstände darstellte und wurde nicht enttäuscht. Mit gut eingeführten Rückblenden und auch Erklärungen von Carey konnte ich mich in sie hineinversetzen und es mir bildlich genug vorstellen, wie das Leben im Wald von statten ging. Und es schockte mich. Schockte, weil es einfach unmenschlich ist aber auf der anderen Seite so normal für Carey und Jenessa war, dass es mir wortwörtlich das Herz brach. Der starke Kontrast zu dem Leben im Wald und dem Neuen, fremden Leben, das auf die beiden zukommt, wurde durch viele, aufmerksame Kleinigkeiten von der Autorin verdeutlicht, ohne es zu übertreiben und gekünstelt wirken zu lassen. In Anbetracht der Umstände, dass dies sicherlich NICHT jedem Autor gelingt, möchte ich an dieser Stelle meinen allergrößten Respekt an die Autorin anbringen!
Und aus Spoilergründen werde ich darauf jetzt auch nicht näher eingehen – ihr werdet es schon selbst merken, wenn ihr euch dieses Buch zu Herzen führt.

Die ganz besondere Schwester – Mutter - Kind - Bindung zwischen Carey & Jenessa

Gleich zu Beginn wurde ich damit konfrontiert, dass zwei unbekannte Erwachsene in diesem abgeschiedenen Wald auftauchten und offensichtlich nach den zwei Mädchen suchen. Careys Reaktion davor und danach galt nur einer Sorge: Jenessa! Sie denkt an nichts anderes, als das es Jenessa gut geht. Jenessa verdient ihrer Meinung nach ein besseres Leben, ein Leben, dass noch im Vergleich zu ihrem eigenen Leben gerettet werden kann. Das ist ihre Ansicht und daher versucht sie auch im Laufe der Geschichte stark für ihre kleine Schwester zu sein, auch wenn es ihr an vielen Stellen sehr schwer fiel. Und diese Fürsorge war so mütterlich, dass ich mir selbst oft in Erinnerung rufen musste, dass Carey gerade mal 15 und es NICHT ihre Tochter ist. 
 

 
Eine fiktive Geschichte, fiktive Charaktere und fiktive Gefühle. Das alles ist mir als Leser zwar bewusst gewesen, aber dadurch, dass Emily Murdoch dieser Fiktivität soviel emotionale Höhen und Tiefen verpasste, verblasste dieses Wissen immer wieder und machte dem Realismus jede menge Platz.  

Wie kann ein nur 300 Seiten Buch einen so nahe gehen? Eine Geschichte, die gar nicht so tief ins Detail geht, mich nur so emotional berühren? 


Der Titel war schon eine kleine Vorwarnung, denn als mich dieses Buch gefunden, Carey mir ihre Geschichte erzählte hatte, war ich zutiefst berührt. Ich bin kein Leser, der generell bei Büchern weint. Erst recht nicht bei Büchern. Umso sprachloser machte mich die Tatsache, dass es diesem Buch so leicht gelungen war, sich in mein Herz zu schleichen und mich emotional zu berühren. Wie die kleinen Hände von Jenessa oftmals die Hand ihrer großen Schwester ergriff, so umschloss diese Geschichte mein Herz und ließ es nicht mehr los. Und es tat weh. Es tat weh, Dinge zu erfahren, zu erahnen und sie bestätigt oder unbestätigt zu bekommen. 
Das Buch schneidet ein ganz sensibles Thema an, welches aber nie direkt in den Vordergrund gerückt worden ist. Und das war meiner Meinung nach kein leichtes unterfangen, und doch hat die Autorin dies mit Bravour gemeistert. Man weiß, worum es geht. Man ahnt Dinge, bei denen man sich wünscht, dass sie diesen Kindern nicht zugestoßen sind. Alleine schon der Gedanke, das Wissen, dass diese zwei kleinen Mädchen jahrelang in diesem Wald leben, sich von Dosenessen ernähren und dabei von der eigenen Mutter misshandelt und Monatelang alleine gelassen werden. Es muss ans Herz eines Lesers gehen. 


Ein tiefgehendes Jugenddrama, dass gerade durch seine etwas andere Idee lockt, schockt und zum nachdenken anregt. Ernste Themen wurden hier angesprochen, bei denen der Leser nicht umherkommt, sich selbst tagelang darüber Gedanken zu machen. Selbst die unnahbare Verbindung zwischen dem Erlebten und den Charakteren blieb mir als Leser nicht aus. Fiktion mit einer glaubhaft dargestellten Handlung die von meiner Blutbahn bis ins Herz ging und sich dort festnagte. Genau die richtige Lektüre für Leser, die mehr als nur das Kratzen an der Oberfläche bei Charakteren und Büchern anstreben. Absolut qualitativ und emotional. Absolut empfehlenswert.  


5 von 5 Marken. Etwas anderes kann mein Herz gar nicht zulassen.
 







Bücherwürmchen



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2 Kommentare

  1. Hey mein Lieber <3

    Hach ja dieses Buch war wirklich sehr berührend. Eines der besten Bücher was ich je gelesen habe.
    Danke das du meine Rezension verlinkt hast :-*
    Ich wünsche dir einen sonnigen und entspannten Tag <3

    Sunny

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    1. Gell? *_*
      Gott wieso gibt es solche Bücher immer weniger? *schnief*
      Und deine Rezension spiegelt die Besonderheit des Buches wieder - also muss ich danken. <3

      Drück dich Liebes
      ~ Jack

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